RECHTSPRECHUNG


Mangelhafter Gebrauchtwagen

Gemäß einer Entscheidung des BGH vom 19.07.2017, Az. VIII ZR 278/ 16, kann der Käufer eines mangelbehafteten Gebrauchtwagens einen (abrechenbaren) Vorschuss zur Abdeckung der entstehenden Transportkosten für die Verbringung des Fahrzeugs zum Verkäufer verlangen. Der Käufer ist verpflichtet, dem Verkäufer den Gebrauchtwagen am Ort der Erfüllung des Kaufvertrages - also meist der Ort, an welchem der Verkäufer seinen Sitz hat - zur Verfügung zu stellen. Erst dann liegt ein taugliches Nacherfüllungsverlangen vor.

Gemäß § 439 II BGB hat der Verkäufer dem Käufer im Gegenzug die Transportkosten zu erstatten. Die o.g. genannte BGH Entscheidung stellt nun klar, ein taugliches Nacherfüllungsverlangen schon dann vorliegt, wenn der Käufer die Verbringung von der Zahlung eines Vorschusses abhängig macht. Dies gilt auch dann, wenn das Vorliegen des Mangels noch ungeklärt ist.

 

Patientenverfügung / Inhaltliche Gestaltung und Auslegung

Die Gestaltung einer Patientenverfügung bereitet dem juristischen Laien in der Praxis oft erhebliche Schwierigkeiten, wobei sich inhaltliche Fehler meist erst dann zeigen, wenn es eigentlich schon zu spät ist um diese noch zu korrigieren.
Der BGH hat in einer Entscheidung vom 08.02.2017 zum Az. XII ZB 604/15 klargestellt, dass eine Patientenverfügung nur dann eine unmittelbare Bindungswirkung entfaltet, wenn diese auch erkennen läßt, dass sie in der konkreten Behandlungssituation Geltung beansprucht. Eine allgemeine Erklärung, wonach lebensverlängernde Maßnahmen unterbleiben sollen, stellt - für sich genommen - keine ausreichende Behandlungsentscheidung dar. Eine Konkretisierung kann sich aber aus der Bezugnahme auf spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben. Der Wille des Verfügenden ist in diesem Falle durch Auslegung zu ermitteln.

 

Zutritt zum gemeinsamen Grundstück nach Trennung der Ehegatten

In einer Entscheidung vom 22.08.2017 zum Az. 5 WF 62/17 hat das OLG Bremen die ältere Rechtssprechung bestätigt, wonach beim endgültigen Auszug eines Ehegatten aus dem gemeinsam genutzten Haus eine Vereinbarung dahin anzunehmen sei, dass der verbleibende Ehegatte künftig alleine zur Nutzung berechtigt sein soll. Ein Betretensrecht für sich oder Dritte könne nur beim Vorliegen eines besonderen Grundes gegeben sein. Soweit der ausgezogene Ehehgatte den Zutritt im Zusammenhang mit der Besichtigung durch einen Makler aus Gründen eines späteren freihändigen Verkaufs wünscht, stelle dies - wenn der verbleibende Ehegatte einem solchen Verkauf nicht zustimmt - keinen wichtigen Grund dar.

 

Änderung der Düsseldorfer Tabelle ab 01.01.2018

Zum 01.01.2018 wird die Düsseldorfer Tabelle geändert und damit der Mindestunterhalt angehoben.
In der 1. Altersstufe (0-5 Lebensjahr) beträgt der Mindestunterhalt damit 348 € statt 341 €, in der 2. Altersstufe (6-12 Lebensjahr) 399 € statt 393 € und in der 3. Altersstufe (13-18 Lebensjahr) 467 € statt 460 €.
Mit der Änderung des Mindestunterhalts geht eine Anhebung der Bedarfssätze der Einkommensgruppen 2 bis 10 einher. Angerechnet wird auf die Unterhaltsbeträge das hälftige Kindergeld, so dass sich nach dessen Abzug der sog. "Zahlbetrag" ergibt. Eine Anhebung erfahren auch die Einkommensgruppen. Die unterste Einkommensgruppe beginnt mit einem bereinigten Nettoeinkommen i.H.v. 1.900 € und nicht wie bisher 1.500 €.

 

Unfall mit Fahrrädern

Gemäß einer Entscheidung des OLG Hamburg vom 26.07.2017 Az. 14 U 208/16 ist es für die Haftung im Rahmen eines Unfallgeschehens, an welchem zwei Fahrräder beteiligt waren, nicht erforderlich, dass sich die Fahrräder auch berührt haben.

Entscheidend ist vielmehr, dass sich der Verstoß eines der beteiligten Fahrradfahrer gegen Verkehrsvorschriften, ursächlich ausgewirkt und das Verkehrsunfallgeschehen entscheidend mitgeprägt hat.

 

Wechselmodell

Entsprechend einer Entscheidung des KG vom 13.04.2017 zum Az. 16 UF 8/17 steht die Ausübung eines Wechselmodells, d. h. die zeitlich gleichmäße Betreuung des Kindes durch die getrennt lebenden Eltern, dem Kindeswohl entgegen, wenn das Verhältnis zwischen den Eltern mit einem hohen Konfliktpotential belastet ist.

 

Das KG begründet seine Entscheidung mit einer erhöhten Drucksituation für das Kind aufgrund des vermehrten Umganges im Rahmen des Wechselmodells. Daneben würde auch die Verwirklichung des Wechselmodells scheitern, da es beiden Eltern an Kooperationsfähigkeit mangele.

 

Ehe für alle - die Änderung des § 1353 I S.1 BGB

Nachdem im Jahre 2015 mehrere Fraktionen des Bundestages und auch der Bundesrat entsprechende Gesetzentwürfe beschlossen hatten, trat nun zum 01.10.2017 eine Änderung des BGB in Kraft, die weitreichende Folgen für das Familienrecht haben wird.

 

Bisher lautete § 1353 I S.1 BGB: "Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen.".

 

Nach der Änderung heißt es nun: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."


Folge dieser Gesetzesänderung ist, dass alle Regelungen, welche bislang für die Ehe zwischen Mann und Frau galten, nun auch für gleichgeschlechtliche Ehe gelten. Dies betrifft u.a. Unterhaltsfragen, die Versorgung von Hinterbliebenen oder auch Nachscheidungsprobleme wie den Zugewinn- oder den Versorgungsausgleich.


Bestehende Lebenspartnerschaften werden nicht automatisch in Ehen umgewandelt, sondern gemäß § 20 a LPartG nur durch gemeinsame Erklärung vor dem Standesbeamten dahin, dass beide nunmehr eine Ehe führen wollen.